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IGF-1 LR3 erklärt – Wirkung, Nebenwirkungen, Besonderheiten
Wer schnell Muskeln aufbauen will und bereit ist, dafür zu harten Mitteln zu greifen, landet zunächst bei Steroiden und SARMs. Als etwas „sanftere“ Mittel kommen Peptide in Frage. Das mit Abstand leistungsstärkste von diesen ist IGF-1 LR3. Es macht zwar nicht so schnell massig wie Dianabol & Co., regt dafür aber Satellitenzellen in den Muskeln zur Zellteilung an. Das Resultat ist ein lokales Muskelwachstum – also Muskelwachstum an genau jenen Stellen, an denen man es sich wünscht! Anders als beim Gebrauch anaboler Steroide geht dabei auch nicht die Testosteronproduktion in die Knie. In diesem Text erklären wir, wie IGF-1 LR3 genau funktioniert, ob IGF-1 LR3 Nebenwirkungen hat und was man wissen muss, wenn man IGF-1 LR3 kaufen und damit Muskeln aufbauen will.
Was genau ist IGF-1 LR3?
Einordnung
Was IGF-1 LR3 genau ist, ist Auslegungssache. Fest steht, dass es ein Pharmazeutikum auf Aminosäurenbasis ist. Da es aus vergleichsweise vielen Aminosäuren besteht (83 Stück), gilt es biochemisch als Protein; es wird aber fast immer den Peptiden zugeordnet. Deshalb bezeichnen wir es im Folgenden auch als Peptid bzw. als IGF-1-Peptid. Sein Name ist – natürlich – eine Abkürzung. „IGF-1“ steht für „Insulin-Like Growth Factor-1“, „LR3“ steht für „Long-Arginine-3“. Wie der erste Namensteil nahelegt, ist es sehr stark mit dem bekannten körpereigenen Hormon IGF-1 verwandt. Genau genommen, ist es ein Analogon von IGF-1 [1]. Der wesentliche Unterschied zu IGF-1 besteht darin, dass seine Aminosäurenkette um 13 Aminosäuren länger ist. Außerdem wurde die dritte Aminosäure im Molekül (Glutaminsäure) durch Arginin ersetzt. Diese beiden Modifizierungen bewirken, dass IGF-1 LR3 im Körper viel länger biologisch aktiv bleibt als das natürliche IFG-1 [2].
Historie
IGF-1 LR3 (auch als „Long arginine 3-IGF-1“ bekannt) wurde sehr wahrscheinlich vom US-amerikanischen Biotechnologieunternehmen Repligen entwickelt – jedenfalls hatte Repligen in den 90er-Jahren ein Patent auf die Struktur angemeldet. Ziel der Entwicklung war es, eine stabilere IGF-1-Version für die allgemeine wissenschaftliche Zellkulturforschung zu kreieren. Noch heute vertreibt die Repligen Corporation das Peptid unter dem Namen „LONG® R3 IGF-1“ als Forschungschemikalie. Eine Nutzung als Arzneimittel oder gar als ein Anabolikum für Sporttreibende war nie beabsichtigt. Da das Patent auf die Struktur von IGF-1 LR3 inzwischen aber abgelaufen ist, kann jedes Labor und jede Biotechnologiefirma IGF-1 LR3 zu welchem Zweck auch immer herstellen.
Unterschied IGF-1 LR3 vs. IGF-1
IGF-1 ist in der Fitness- und Bodybuilding-Szene als eines der anabolsten körpereigenen Hormone bekannt. Es wird überwiegend in der Leber produziert, und zwar als Reaktion auf die Ausschüttung von Wachstumshormon. Substanzen, die die Ausschüttung von Wachstumshormon anregen (wie z. B. MK-677), bewirken also immer auch eine verstärkte Ausschüttung von IGF 1.
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Wenn IGF-1 in der Blutbahn ist, löst es verschiedene anabole Prozesse aus, vor allem eine verstärkte Proteinsynthese. Des Weiteren bewirkt IGF-1 eine schnelle Vermehrung der Muskelstammzellen, wodurch zukünftiges Muskelwachstum erleichtert wird [3]. Allerdings hat IGF-1 einen entscheidenden Nachteil: Es hat eine sehr hohe Bindungsaffinität zu speziellen Transproteinen, den sogenannten IGFBPs. Diese sorgen zwar dafür, dass IGF-1 nicht allzu schnell zerfällt – seine natürliche Halbwertszeit beträgt nur 10 Minuten –, dämpfen aber auch seine Wirkung. So anabol IGF-1 deshalb auch sein mag: Die Zuführung von externem IGF-1 hat für Bodybuilder keinen Nutzen. Nur ein sehr kleiner Anteil des gespritzten Hormons würde nämlich biologisch aktiv werden. Der Rest würde sich umgehend an die IGFBPs binden und kaum Wirkung entfalten.
IGF-1 LR3 hingegen hat nur eine geringe Bindungsaffinität zu den IGFBPs. Dadurch ist es etwa dreimal so potent wie IGF-1. Und seine Halbwertszeit ist so lang, dass es auch ohne IGFBP längere Zeit stabil bleibt [1]. Wie lang ist die Halbwertszeit von IGF-1 LR3 genau? In der wissenschaftlichen Dokumentation ist von „bis zu 36 Stunden“ die Rede; mehr als 20 Stunden sind es aber definitiv.
IGF-1 LR3 Wirkung und Nutzen im Bodybuilding
Die Wirkung von IGF-1 LR3 umfasst mehrere Effekte, und alle sind im Bodybuilding nützlich bzw. erwünscht.
- Förderung der Proteinsynthese (Muskelhypertrophie) – auch lokal
IGF-1 steigert die Proteinsynthese in der Skelettmuskulatur über den PI3K/Akt/mTOR- und über den PI3K/Akt/GSK3β-Signalweg [4]. Heißt: IGF-1 LR3 ist ein Muskelaufbau-Peptid. Wichtiger ist noch: IGF-1 LR3 ist ein Peptid, das lokales Muskelwachstum auslösen kann. Wenn es nämlich gezielt in einen bestimmten Muskel injiziert, lässt es ihn stärker wachsen lassen als die übrigen Muskeln. Dieser sogenannte „Spot-Growth“-Effekt rührt daher, dass IGF-1 parakrin wirkt, also Einfluss auf Zellen in unmittelbarer Nähe des Freisetzungsortes nimmt. Das ist auch der Grund, warum IGF-1 LR3 einen geradezu legendären Ruf im Bodybuilding hat. Anwender berichten in Foren und auf YouTube, dass die Muskeln, in die sie sich das Peptid injizieren, noch am selben Tag praller und voller erscheinen. Bei diesen Berichten handelt es sich allerdings um rein anekdotische IGF-1 LR3-Erfahrungsberichte, die man mit Vorsicht genießen muss. Erstens spielt subjektive Wahrnehmung dabei sehr wahrscheinlich eine große Rolle, und zweitens ruft eine Injektion in einen Muskel immer eine vorübergehende lokale Entzündung hervor. Dadurch schwillt der Muskel etwa an; das hat nichts mit Muskelhypertrophie zu tun. Trotzdem: Dass Muskelgruppen, in die man regelmäßig IGF1-LR3 injiziert, im Verlauf einer Kur stärker wachsen als andere, ist plausibel. - Unterdrückung kataboler Prozesse
Außerdem reduziert bzw. unterdrückt IGF-1 LR3 katabole Prozesse. In einer Tierstudie mit Rinderfärsen, die aufgrund von Mangelernährung beständig an Gewicht verloren, zeigten die Tiere nach Long(R3)-IGF-1-Injektionen eine Tendenz zur Erhaltung sowohl ihres Gesamtproteins als auch ihres Skelettmuskelproteins [5]. Für Bodybuilder bedeutet das, dass sie mit dem Peptid Muskelverlust während einer Diät verhindern können. - Beschleunigung der Muskelzellenreparatur
Überdies kann IGF-1 LR3 Reparaturmechanismen in der Muskulatur beschleunigen. In einer Studie mit Mäusen verbesserten Injektionen von rekombinantem IGF-1 nach Muskelverletzungen (Muskelrissen, -quetschungen und-zerrungen) den Heilungsprozess signifikant [6]. Hart trainierende Athleten können also davon ausgehen, dass sie mit IGF-1 LR3 weniger Muskelkater haben und dass sie sich von Trainingsverletzungen schneller erholen werden. - Verbesserung des Knochenstoffwechsel
Zu guter Letzt: Daten aus klinischen Studien zeigen, dass IGF-1 LR3 auch die Knochenbildung stimuliert. Konkret regt das Peptid die Osteoblasten dazu an, sich zu vermehren und sich in reife, aktive knochenbildende Zellen zu differenzieren. Parallel dazu fördert IGF-1 LR3 die Einlagerung von Mineralien in die Kollagenmatrix, was letztendlich zu einer Verdichtung und Verstärkung der Knochen führt.
Risiken von IGF-1 LR3
Und wie sehen die Nebenwirkungen aus? Denn dass IGF-1 LR3 Nebenwirkungen HAT, sollte niemanden überraschen (Wachstumshormon hat ja auch Nebenwirkungen). Also, zuerst die gute Nachricht: Wie oben in der Einleitung schon gesagt, hat die Zuführung von IGF-1 LR3 keine negativen Auswirkungen auf die endogene Testosteronproduktion. Man muss während einer Kur auch keine On-Cycle-Supplements nehmen.
Die schlechte Nachricht: IGF-1 LR3 hat dafür einige andere Nebenwirkungen hat. Relativ häufig sind zum Beispiel morgendliche Gelenksteifigkeit und Druckgefühl in den Extremitäten. Diese Phänomene hängen mit Wasseransammlungen und schnellem Gewebeaufbau zusammen. Dazu kommen gegebenenfalls Blutzuckerschwankungen, weil IGF-1 insulinähnlich wirkt und den Glukosespiegel absenkt. In der Praxis äußert sich das dann in Zittern, Konzentrationsstörungen und plötzlichen Heißhungerattacken auf Süßigkeiten.
Am gravierendsten ist aber das Risiko von Organwachstum und von unkontrollierter Zellproliferation. Ersteres kann zu Kardiomegalie führen, also zu einer krankhaften Herzvergrößerung, während Letzteres im schlimmsten Fall mit Krebs enden kann. (Aber zur Klarstellung: IGF-1 LR3 ist selbst nicht krebserregend. Wenn allerdings eine genetische Disposition zur Entstehung von Krebs vorliegt, dann kann das Peptid wie ein Brandbeschleuniger wirken.)
Um das Risiko dieser letztgenannten IGF-1 LR3-Nebenwirkungen möglichst gering zu halten, sollte man
- die Länge einer IGF-1-LR3-Kur kurz halten (4 bis 6 Wochen, maximal jedoch 2 Monate am Stück) und
- die Dosis so niedrig wie möglich halten.
IGF-1 LR3 Dosierung im Bodybuilding
IGF-1 LR3 wird grundsätzlich injiziert. Man kann die Injektion subkutan (= ins Unterhautfettgewebe) oder intramuskulär (= ins Muskelgewebe) vornehmen. Bei einer subkutanen Injektion wirkt das Peptid systemisch, bei einer intramuskulären Injektion wirkt es vorwiegend lokal. Das ist jedenfalls das, was in Foren kolportiert wird. Wissenschaftlich belegt ist das nicht; es erscheint aber nachvollziehbar.
Üblich sind zwischen 20 und 50 Mikrogramm einmal täglich. Höhere Dosen (es gibt Erfahrungsberichte über bis zu 100 µg pro Tag) sind nicht zu empfehlen. Sie stimulieren die Proteinsynthese zwar noch stärker, aber angesichts der möglichen Nebenwirkungen ist das kein gutes Geschäft. Denn: Das Peptid unterscheidet nicht zwischen Muskelzellen und anderen Gewebezellen. Wer ohne Organveränderungen aus dem „Abenteuer“ IGF-1 LR3-Kur herauskommen will, sollte deshalb bei niedrigen einstelligen Dosen bleiben.
Wegen der langen IGF-1 LR3 Halbwertszeit ist das Timing der Injektionen eigentlich egal, trotzdem injizieren die meisten Bodybuilder sich das Mittel post-workout. Die Logik dahinter: Direkt nach dem Training haben die Satellitenzellen in der Muskulatur eine aktive Phase; die Aufnahmefähigkeit für anabole Signale sollte entsprechend höher sein.
Wo kann man IGF-1 LR3 kaufen – und was muss man beim Kauf beachten?
Wer IGF-1 LR3 kaufen will, begibt sich in jenen Graubereich zwischen Forschungschemikalien und Dopingmitteln, in dem auch SARMs angesiedelt sind. Genau wie SARMs sind Muskelaufbau-Peptide grundsätzlich nicht illegal – man bekommt sie aber nicht in jedem x-beliebigen Supplement-Shop.
Shops, die auf Peptide spezialisiert sind, haben IGF-1 LR3 normalerweise immer im Programm. Doch Vorsicht: Da Peptide sehr oft gefälscht werden, sollte man nicht beim erstbesten Anbieter einkaufen. Lieber erst mal ein bisschen recherchieren!
Außerdem ist zu beachten: IGF-1-Analoga stehen auf der WADA-Liste verbotener Substanzen. In Ländern, in denen strenge Anti-Doping-Gesetze gelten (wie in Deutschland), kann der Besitz von IGF-1 LR3 daher strafrechtlich relevant sein. Entscheidend ist die Menge: In der deutschen Dopingmittelmengen-Verordnung ist die „nicht geringe Menge“, ab der der Besitz strafbar ist, auf 3 mg festgelegt [7]. Klingt nach wenig, ist aber viel – mit dieser Menge könnte man nämlich bequem acht Wochen lang kuren.
Quellen
- ↑ en.wikipedia.org (2023): IGF-1 LR3 (https://en.wikipedia.org/wiki/IGF-1_LR3#cite_note-pmid8708565-1)
- ↑ F. M. Tomas (1996): “Superior potency of infused IGF-I analogues which bind poorly to IGF-binding proteins is maintained when administered by injection” (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/8708565/)
- ↑ flexikon.doccheck.com (2021): Insulin-like growth factor 1 (https://flexikon.doccheck.com/de/Insulin-like_growth_factor_1)
- ↑ T. Yoshida (2020): “Mechanisms of IGF-1-Mediated Regulation of Skeletal Muscle Hypertrophy and Atrophy” (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7564605/)
- ↑ RA Hill et al. (1999): “Action of long(R3)-insulin-like growth factor-1 on protein metabolism in beef heifers” (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/10370861/)
- ↑ T. Laumonier, J. Menetrey (2016): “Muscle injuries and strategies for improving their repair” (https://www.researchgate.net/publication/305627346_Muscle_injuries_and_strategies_for_improving_their_repair)
- ↑ gesetze-im-internet.de (2023): Verordnung zur Festlegung der nicht geringen Menge von Dopingmitteln (Dopingmittel-Mengen-Verordnung – DmMV) (https://www.gesetze-im-internet.de/dmmv_2023/BJNR0430B0023.html)

