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Fettabbau, Kraftsteigerung, langsameres Altern: So optimiert MOTS-c den Organismus
Wenn es ein Mittel gäbe, das die Kraft steigert, den Energiestoffwechsel optimiert, Entzündungen eindämmt und – anders als anabole Steroide – auch noch potenziell lebensverlängernd wirkt: Würde man da nicht sofort zugreifen? Ja, würde man. Deshalb verabreichen sich etliche Sportler und Biohacker regelmäßig MOTS-c. Warum nur etliche und nicht alle? Zum einen, weil MOTS-c im Sport verboten ist (es gilt als Doping). Zum anderen, weil das Mittel bislang noch sehr experimentell ist; es hat keine Zulassung als Arzneimittel. Nichtsdestotrotz sind diejenigen, die es bei sich anwenden, davon begeistert. In diesem Text klären wir, woher die Begeisterung rührt und ob man MOTS-c kaufen sollte.
Was genau ist MOTS-c?
MOTS-c ist ein aus 16 Aminosäuren bestehendes Peptid, das natürlicherweise im Körper vorkommt. Seine Besonderheit ist, dass es nicht in der Zellkern-DNA codiert ist (wie die meisten anderen Peptide), sondern in der mitochondrialen DNA. Es wird erst bei metabolischem Stress in den Zellkern transportiert und steuert dort die Expression von bestimmten Kerngenen. Deshalb wird es als „mitochondriales Peptid“ kategorisiert. Sein voller Name lautet entsprechend „Mitochondrial ORF of the 12S rRNA-type c“.
Ursprung
Entwickelt wurde es von einem Forschungsteam um Prof. Pinchas Cohen an der University of Southern California. Anfang 2015 wurden die ersten Forschungsergebnisse veröffentlicht, weshalb das Jahr 2015 auch als Entdeckungsjahr für MOTS-c gilt [1]. Die Hauptintention bei der Entwicklungsarbeit war es, herauszufinden, wie Mitochondrien, die als Hauptverursacher des Alterns gelten, Stoffwechselprozesse steuern. Man stellte fest, dass sie das über bestimmte Peptide – sogenannte MDPs (Mitochondrial-Derived Peptides) – tun. Als eines dieser Peptide wurde das MOTS-c-Peptid identifiziert. Es spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung der Insulinsensitivität und der Glukoseverwertung und hat erstaunliche Eigenschaften.
Nutzen
Studien an Mäusen haben gezeigt, dass MOTS-c aufgrund seiner stoffwechseloptimierenden Eigenschaften einem gealterten Organismus wieder das metabolische Profil eines jüngeren Körpers geben kann [2]. Man geht deshalb davon aus, dass MOTS-c eine Altersverzögerung bewirkt. Und das ist noch nicht alles: Das Peptid steigert außerdem die Kraft der Skelettmuskulatur, verbessert die Ausdauer und fördert das Muskelwachstum. Deshalb vermarktet die Supplement-Industrie MOTS-c als „Exercise Mimetic“ bzw. „Trainingsmimetikum“.
Aktueller Stand
Die wissenschaftlichen Forschung zu dem Peptid ist noch lange nicht abgeschlossen. Außer auf allgemeine Altersverzögerung wird MOTS-c inzwischen auch auf folgende Punkte hin untersucht:
- Schutz für das kardiovaskuläre System [3]
- verbesserter Knochenstoffwechsel und besseres Verheilen von Brüchen [4]
- Eindämmung von Entzündungen sowie Reduzierung von oxidativem Stress auf verschiedene Organe (z. B. die Lunge) [5]
Es wird auch nicht mehr nur an der University of Southern California erforscht, sondern an vielen weiteren Universitäten – u. a. an Unis in Südkorea, in China und in Europa. Selbstverständlich hat aber bereits ein Pharma-Unternehmen „den Finger drauf“: CohBar, Inc. Dieses wurde von den Entdeckern der Mitochondrial-Derived Peptides (MDPs) rund um Prof. Pinchas Cohen mitgegründet und hält Patente und Lizenzen für die Entwicklung von MOTS-c-Analoga. (Mit CB4211 wurde übrigens schon ein erstes MOTS-c-Analogum auf einen möglichen Einsatz von Fettlebererkrankungen (NAFLD/NASH) und Fettleibigkeit an Menschen getestet [6].) MOTS-c ist aber noch nirgends als Arzneimittel oder als Anti-Aging-Mittel zugelassen.
Wie wirkt MOTS-c?
Was MOTS-c im Körper macht, lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Es verbessert die körperliche Konstitution so wie Sport. Man kann also sagen, dass MOTS-c Training simuliert. Dieser Exercise-Mimetic-Effekt resultiert aus seinem anregenden Einfluss auf den Stoffwechsel. Insofern gleicht MOTS-c dem Mittel SLU-PP 332, das ebenfalls ein Exercise-Mimetikum ist. Die Wirkmechanismen von MOTS-c und SLU-PP 332 sind aber grundverschieden.
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Hammer Labz SLU-PP-332 60 caps
- ✅ Steigert Energie & Ausdauer
- ✅ Fördert Fettverbrennung
- ✅ Unterstützt Muskelerhalt & Stoffwechsel
Hinter der MOTS-c-Wirkung steckt ein sehr komplexer Prozess, der mit dem mitochondrialen Energiehaushalt zu tun hat: Das Peptid aktiviert den sogenannten AMPK-Signalweg – das ist ein zelluläres Energieeffizienzprogramm, das die Glukoseaufnahme optimiert und die Fettverbrennung ankurbelt. Der Effekt ist etwa mit jenem Effekt zu vergleichen, der sich in einem modernen Porsche 911 einstellt, wenn man den Sportmodus aktiviert: Das Motormanagement verändert sich in Richtung „mehr Performance“. So wie das Verbrenner-Aggregat dann sensibler auf Gasstöße reagiert, reagiert der Organismus sensibler auf Insulinausschüttungen. Dadurch läuft der Stoffwechsel insgesamt effizienter, und zwar auch schon bei minimaler Belastung. Konkret äußert sich so:
MOTS-c – Fettabbau
MOTS-c unterstützt den Fettabbau auf zwei Ebenen. In Tierstudien mit Mäusen erwies sich, dass es zum einen die Fettverwertung in der Muskulatur optimiert [2] und zum anderen die Umwandlung von weißem in braunes Fettgewebe fördert [7]. Letzteres bedingt eine erhöhte mitochondriale Aktivität, was den Kalorienverbrauch anhebt (selbst in Ruhephasen).
MOTS-c – Leistungssteigerung (Kraft und Ausdauer)
Weitere Versuche mit Mäusen zeigten, dass MOTS-c die Ausdauer beim Laufen verbessert und dabei die Glukosewerte stabil hält. Das Peptid scheint also den metabolischen „Kipppunkt“, an dem Muskelermüdung die Leistung beeinträchtigt, nach hinten zu verschieben. Zudem bewirkt MOTS-c eine Kraftsteigerung, speziell bei älteren Mäusen. Das fand man anhand von Greifkrafttests [8] heraus. (Wer wissen will, wie um alles in der Welt man die Greifkraft einer Maus misst: Dafür gibt es ein spezielles Gerät, „Grip Strength Meter“ genannt. An diesem muss sich die Maus mit den Vorderpfoten festklammern, um nicht in eine Öffnung unter ihr zu fallen. Während die Maus in dieser Position ist, zieht man an ihrem Schwanz und misst, wie stark man ziehen muss, bis die Maus vorne loslässt.)
MOTS-c – Anti-Aging
Wie weiter oben schon gesagt, ist MOTS-c ein Peptid, das vom Körper selbst gebildet wird. Seine Konzentration nimmt im Alter aber ab: Studien haben gezeigt, dass der MOTS-c-Spiegel im Blut älterer Menschen um bis zu 21 % niedriger ist als der MOTS-c-Spiegel von Jugendlichen. Führt man dem gealterten Körper nun externes MOTS-c zu, so hat dies eine Reihe von positiven Auswirkungen – insbesondere auf den Stoffwechsel und auf das Herz-Kreislauf-System. Jüngste Forschungen belegen z. B. eine protektive Wirkung des Peptids im Hinblick auf kardiale Dysfunktion. Dies legt nahe, dass ein höherer MOTS-c-Spiegel den Alterungsprozess verlangsamen könnte [8].
MOTS-c – Muskelaufbau
Für Kraftsportler interessant: Es gibt Hinweise darauf, dass MOTS-c indirekt den Proteinaufbau begünstigt, indem es den Myostatinspiegel absenkt. (Myostatin ist ein Protein, das den Muskelaufbau „bremst“. Mehr Information dazu – und über den Myostatinhemmer YK-11 – gibt’s hier: YK-11 auf dem Prüfstand: stärkstes SARM – oder anaboles Steroid?) In einer Studie mit übergewichtigen Mäusen beugte MOTS-c nämlich einer Muskelatrophie vor, indem es die Aktivität des Myostatin- und Muskelschwundgens FOXO1 hemmte [10]. Ob dieser Effekt auch bei normalgewichtigen Körpern auftritt, wurde aber noch nicht untersucht.
MOTS-c im Bodybuilding
Dass die MOTS-c-Peptid-Anwendung im Sport längst etabliert ist, ist somit nicht verwunderlich. Speziell im Bodybuilding hat MOTS-c seit Jahren eine große Fangemeinde: Es gilt in diesem Sport als Geheimrezept für „lean gains“, also für Muskelzuwächse ohne Körperfettzunahme. Da es sowohl die Fettverbrennung als auch die Insulinreaktion optimiert, ist es bei Hobby-Pumpern wie auch bei Wettkampf-Bodybuildern und Fitness-Figur-Athletinnen gleichermaßen beliebt. Anders als SARMs oder Prohormone agiert MOTS-c zudem ausschließlich auf zellulärer Ebene und greift nicht in den Hormonhaushalt ein, was es insbesondere für anabolikaunerfahrene Bodybuilder interessant macht. Laut Erfahrungsberichten lässt sich MOTS-c aber auch sehr gut mit anabolen Steroiden kombinieren. Im Rahmen einer Recomp-Phase bewirkt es dann einen zügigen Abbau von Körperfett, während die Steroide parallel dazu die Muskeln wachsen lassen.
Zur Wirkungswahrnehmung sagen Anwenderinnen und Anwender anekdotisch dies:
- Am häufigsten wird eine signifikante Verbesserung der aeroben Kapazität aufgeführt. Sie äußert sich in dem subjektiven Gefühl, „tiefer“ atmen zu können und bei längeren (aeroben) Trainingseinheiten ermüdungsresistenter zu sein.
- Einige Bodybuilder berichten außerdem von einer leichten Steigerung der Kraft und einer verbesserten Vaskularität, hervorgerufen wahrscheinlich durch die bessere Glukoseverwertung. Oft wird auch noch eine ausgeprägtere Muskelhärte genannt.
- Von einer verkürzten Regenerationszeit bzw. einer schnelleren Erholung zwischen zwei Trainingseinheiten wird ebenfalls oft berichtet. Das ist absolut plausibel, denn eine optimierte Energiebereitstellung bedeutet natürlich auch bessere Regeneration.
Risiken und Nebenwirkungen
Das Kapitel „MOTS-c Nebenwirkungen“ ist schnell abgehandelt: Von Nebenwirkungen ist nichts bekannt! Das liegt vor allem daran, dass bisher noch keine klinischen Humanstudien mit MOTS-c durchgeführt wurden. „Nebenwirkungen nicht bekannt“ darf deshalb nicht mit „Nebenwirkungen nicht vorhanden“ gleichgesetzt werden. Zugegeben, das ist etwas unbefriedigend. Aber so liegen nun einmal die Dinge. Lediglich mit einer chemisch modifizierten MOTS-c-Version namens CB4211 (siehe Textanfang: Was genau ist MOTS-c? Aktueller Stand) gab es schon Humanversuche. In diesen wurde das Mittel gut vertragen.
Immerhin weiß man, dass MOTS-c bei Mäusen keine gravierenden Nebenwirkungen hervorruft. In den einschlägigen Bodybuilding- und Peptidforen im Internet schreibt auch niemand etwas über schlimme MOTS-c-Erfahrungen. Die „wildesten“ Nebenwirkungen waren bisher milde Hautreaktionen an der Injektionsstelle, eine leicht erhöhte Körpertemperatur und kurzfristige Müdigkeit.
MOTS-c Anwendung und Dosierung
MOTS-c wird grundsätzlich per Injektion (subkutan) verabreicht. Orale Darreichungsformen gibt’s nicht, genauso wenig wie ein Standard-Anwendungsprotokoll. In Fitness-Foren ist oft zu lesen, dass das Mittel über vier Wochen einmal wöchentlich injiziert werden sollte, in einer Dosierung von jeweils 10 mg. Anschließend sollte eine vierwöchige Pause eingelegt werden. Worauf diese Empfehlung basiert, ist aber unklar. Die Wirkung soll dann schon 1 bis 2 Tage nach der ersten Injektion eintreten.
Was muss man beachten, wenn man MOTS-c kaufen will?
Wenn man MOTS-c kaufen will, bewegt man sich rechtlich in einem Graubereich. Das Mittel ist nicht als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, es wird in Deutschland aber auch nicht explizit vom Arzneimittelgesetz (AMG) erfasst. Die US-amerikanische FDA stuft es als „Research Chemical“ ein. Damit ist es nicht illegal, solange es nicht für den menschlichen Verzehr beworben oder verkauft wird. Verkauft wird es deshalb meist über spezielle Peptid-Shops im Internet und über internationale Research-Chemical-Plattformen, die MOTS-c als „Forschungsprodukt“ deklarieren.
In Deutschland kommt allerdings noch die Problematik hinzu, dass MOTS-c als Dopingmittel im Sinne der WADA gilt. Damit fällt es unter das Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG), welches den Besitz von Dopingmitteln in einer „nicht geringen Menge“ unter Strafe stellt. Ab welcher Größenordnung ein MOTS-c-Vorrat als nicht geringe Menge anzusehen ist, ist aber Auslegungssache, denn bisher ist das Peptid in der offiziellen Dopingmittelmengen-Verordnung nicht aufgeführt. Bei einer Gerichtsverhandlung würde wohl auf der Basis eines Sachverständigengutachtens über die Strafbarkeitsgrenze entschieden werden.
Quellen
- ↑ en.wikipedia.org (2025): MOTS-c (https://en.wikipedia.org/wiki/MOTS-c)
- ↑ C. Lee et al. (2015): “The mitochondrial-derived peptide MOTS-c promotes metabolic homeostasis and reduces obesity and insulin resistance” (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/25738459/)
- ↑ S. Li et al. (2022): “MOTS-c and Exercise Restore Cardiac Function by Activating of NRG1-ErbB Signaling in Diabetic Rats” (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8969227/)
- ↑ F-B Weng (2021): “MOTS-c accelerates bone fracture healing by stimulating osteogenesis of bone marrow mesenchymal stem cells via positively regulating FOXF1 to activate the TGF-β pathway” (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33829422/)
- ↑ C. Shen (2021): “The Mitochondrial-Derived Peptide MOTS-c Attenuates Oxidative Stress Injury and the Inflammatory Response of H9c2 Cells Through the Nrf2/ARE and NF-κB Pathways” (https://link.springer.com/article/10.1007/s13239-021-00589-w)
- ↑ CohBar, Inc. (2021): “A Phase 1a/1b Study of CB4211 in Healthy Non-obese Subjects and Subjects With Nonalcoholic Fatty Liver Disease” (https://clinicaltrials.gov/study/NCT03998514)
- ↑ H. Lu et al. (2019): “Mitochondrial-Derived Peptide MOTS-c Increases Adipose Thermogenic Activation to Promote Cold Adaptation“ (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6567243/)
- ↑ J. C. Reynolds (2021): “MOTS-c is an exercise-induced mitochondrial-encoded regulator of age-dependent physical decline and muscle homeostasis” (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33473109/)
- ↑ Y. Zheng t al. (2023): “MOTS-c: A promising mitochondrial-derived peptide for therapeutic exploitation” (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9905433/)
- ↑ Y. Gao (2023): “MOTS-c Functionally Prevents Metabolic Disorders” (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9866798/#B32-metabolites-13-00125)

