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Das sollten Frauen über SARMs wissen!
SARMs sind steroidähnliche Anabolika, das hat sich mittlerweile herumgesprochen. Und Anabolika sind nur etwas für Männer. Wirklich? Natürlich nicht! Zahlreiche Statistiken, u. a. der jährliche „WADA’s Annual Testing Figures Report“ [1], belegen, dass auch weibliche Sporttreibende zu Dopingmitteln greifen. Die Quote ist nicht ganz so hoch wie bei Männern – aber speziell in der Fitness-Szene helfen Frauen kaum weniger nach als Kerle. Grund genug, SARMs einmal aus Frauenperspektive zu betrachten: Sollten Frauen SARMs nehmen? Und funktionieren SARMs bei Frauen überhaupt? Wir erläutern, inwieweit SARMs für Frauen zweckdienlich sein können, welche SARMs für Frauen in Frage kommen und welche Risiken bei der Anwendung bestehen.
Begriffserklärung: Was sind SARMs?
Viele weibliche Fitnessstudio-Mitglieder haben zwar schon einmal etwas von SARMs gehört – was SARMs genau sind, wissen sie aber nicht. In aller Kürze: „SARMs“ ist die Abkürzung für „Selective Androgen Receptor Modulators“. (Auf Deutsch: selektive Androgenrezeptormodulatoren.) Es handelt sich dabei um chemische Mittel, die sich an die Androgenrezeptoren im Körper binden, und zwar hauptsächlich an diejenigen in den Muskeln und in den Knochen. Indem SARMs diese Rezeptoren aktivieren, fördern sie das Muskelwachstum und verbessern die Knochenstabilität.
Das Ziel der SARMs-Forschung bestand ursprünglich darin, Muskelabbau und Osteoporose bei bettlägerigen und bei alten Menschen zu therapieren [2]. Dazu wollte man pharmazeutische Mittel entwickeln, die wie anabole Steroide funktionieren, aber nicht deren Nebenwirkungen haben. Das klappte scheinbar auch gut; die ersten Reagenzglas-Studien lieferten jedenfalls hervorragende Ergebnisse. Später zeigte sich in Versuchen mit Tieren und mit Menschen aber, dass SARMs leider doch einige anabolikatypische Nebenwirkungen haben. Diese sind zwar milder als die Nebenwirkungen von anabolen Steroiden – trotzdem ist bisher kein einziges SARM offiziell als Medikament für die Anwendung am Menschen zugelassen [3]. Nichtdestotrotz haben sich SARMs in der Fitness-Szene längst als Steroid-Alternative etabliert. Sie sind dort genauso populär wie Prohormone und Designer-Steroide. Mehr grundlegende Informationen über SARMs gibt’s hier: Muskelaufbau mit SARMs.
Warum Frauen SARMs nehmen
Dass nicht nur männliche Fitness-Enthusiasten sich für SARMs interessieren, steht außer Frage: Statistiken und Umfragen zeigen, dass der Einsatz dieser Mittel in der Bikini-Fitness-Klasse, im Frauenbodybuilding und im Frauen-Cross-Fit nichts Ungewöhnliches ist [4]. Entsprechend tauchen in Fitness-Foren auch immer häufiger Themen wie „die besten SARMs für Frauen“ und „SARMs für Frauen kaufen“ auf. Warum ist das so? Weil SARMs, anders als anabole Steroide, den weiblichen Körper nicht mit Androgenen fluten! SARMs sind schließlich keine Testosteron-Derivate – sie imitieren diese nur. Deshalb besteht für Frauen bei der Anwendung von SARMs auch kaum die Gefahr von „vermännlichenden“ Nebenwirkungen.
Noch viel interessanter als die echten SARMs sind für Frauen aber die Pseudo-SARMs. Das sind Mittel, die in der Fitness-Szene zu den SARMs gezählt werden, obwohl sie technisch gesehen etwas anderes sind. Sie aktivieren nämlich gar nicht die Androgenrezeptoren, sondern andere Rezeptoren – etwa die REV-ERB-A-Rezeptoren oder die PPAR-Delta-Rezeptoren. Somit bewirken sie auch keinen Muskelaufbau. Dafür regen sie aber sehr effektiv den Fettabbau an. Dass sie dabei weder hormonelle Nebenwirkungen noch die typischen Nebenwirkungen von Hardcore-Fatburnern haben (wie Zittern, Pulsrasen, Nervosität, Schwindel, Schlafstörungen usw.), macht sie bei Frauen äußerst beliebt.
Warum funktionieren SARMs bei Frauen überhaupt?
Wie kommt’s aber, dass echte SARMs bei Frauen überhaupt funktionieren? Immerhin binden diese Mittel sich ja bevorzugt an die Androgenrezeptoren, also an jene Rezeptoren, die auf das männliche Sexualhormon Testosteron reagieren – und warum sollten Frauen die haben? Tja, sie haben sie! (So wie Männer ja auch Östrogenrezeptoren haben.) Die Androgenrezeptoren befinden sich bei Frauen ebenso wie bei Männern in den Muskeln, in den Knochen, im Fettgewebe und in verschiedenen anderen Gewebearten. Ihre Anzahl ist aber natürlich niedriger als bei Männern. Deshalb brauchen Frauen auch viel geringere SARMs-Dosen, um effektiv Muskeln aufzubauen. Mit Dosierungen, die bei Männern üblich sind, wären Frauen mangels Androgenrezeptoren heillos überfordert.
SARMs-Nebenwirkungen bei Frauen Was die SARMs-Nebenwirkungen bei Frauen angeht, gilt grundsätzlich, dass diese analog zu den SARMs-Nebenwirkungen bei Männern sind.
- Unerwünschtes Gewebewachstum
SARMs wirken zwar gewebeselektiv, aber das heißt nicht, dass sie überhaupt keine Auswirkungen auf andere Gewebearten außer Muskeln und Knochen haben. Sie lassen leider auch bestimmte Organe wachsen. Bei Männern ist die Prostata betroffen – weil diese sehr viele Androgenrezeptoren hat –, bei Frauen die Gebärmutter. In Tierstudien zu dem SARM Ostarine (MK-2866 bzw. Enobosarm) zeigte sich der wachstumsanregende Effekt auf die Gebärmutter sehr deutlich [5]. Allerdings ist diese Nebenwirkung dosis- und substanzabhängig. Bei der Anwendung von S4 (Andarine) kommt es z. B. zu keinem signifikanten Gebärmutterwachstum. - Verschlechterung der Blutfettwerte und Erhöhung des Herz-Kreislauf-Risikos
Zahlreiche Studien zeigen, dass SARMs den HDL-Cholesterinspiegel senken, sodass es zu einem ungünstigen Ungleichgewicht zwischen HDL- und LDL-Cholesterin kommt [6]. (HDL ist das „gute“ Cholesterin, LDL das „schlechte“.) Dadurch steigt das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen und für Infarkte. Zwar ist diese Nebenwirkung reversibel, aber Frauen mit bereits problematischem Cholesterinprofil sollten vorsichtig sein. - Hormonelle Störungen
Während SARMs bei Männern eine Drosselung der körpereigenen Testosteronproduktion verursachen (je nach SARM fällt diese mehr oder weniger stark aus), können sie bei Frauen Virilisierungsphänomene hervorrufen. Heißt: Sie können bewirken, dass sich der weibliche Organismus teilweise vermännlicht. So kann es unter SARMs-Einwirkung z. B. zu einer Stimmvertiefung oder zu vermehrter Gesichts- und Körperbehaarung kommen. Auch diese Nebenwirkung ist aber sehr dosis- und substanzabhängig. Bei hochpotenten SARMs wie RAD-140, die eine hohe Bindungsaffinität zum Androgenrezeptor haben, ist das Risiko für Virilisierung vergleichsweise hoch. (In einer Humanstudie zu RAD-140 bei Frauen sank der SHBG-Spiegel bei 18 von 18 Probandinnen stark ab, was mit erheblichem Androgenüberschuss assoziiert wurde [7].) Bei „milden“ SARMs wie S4 oder Ostarine ist es eher gering.
Andererseits können SARMs speziell bei Frauen aber auch positive Effekte haben. Viele SARMs gelten z. B. als hilfreich bei der Behandlung von Osteoporose (von dieser degenerativen Knochenveränderung sind hauptsächlich Frauen nach der Menopause betroffen), und einige – z. B. RAD-140 – werden in klinischen Studien auf ihr Potenzial als Brustkrebs-Medikament untersucht.
Die besten SARMs für Frauen
Eines vorweg: Alle nachfolgend genannten Substanzen sind riskant – auch, wenn sie hier als „beste SARMs für Frauen“ aufgelistet werden. SARMs werden üblicherweise auch nicht länger als 6 bis maximal 8 Wochen angewendet.
Ostarine (Enobosarm, MK-2866, GTx-024)
Ostarine ist das bei Weitem am besten erforschte SARM. Es ist zwar, wie alle anderen SARMs auch, noch immer ein experimentelles Mittel ohne Zulassung zur Anwendung am Menschen, aber es war immerhin schon Gegenstand klinischer Humanstudien. Ostarine bewirkt einen überschaubaren Zuwachs an Muskelmasse (sogar im Kaloriendefizit) und stimuliert parallel dazu den Fettstoffwechsel. Damit hat es genau die Effekte, die sich fast alle Frauen wünschen.
Risiken: Verschlechterung der Blutfettwerte, Veränderungen des SHBG-Spiegels, Uterus-Wachstum (dosisabhängig).
Typische Dosierung für Frauen: 3 mg/Tag gelten als eine vergleichsweise sichere Ostarine-Dosierung für Frauen. Mit dieser Dosis wurde auch in klinischen Studien gearbeitet. Erste anabole Effekte zeigen sich aber auch schon bei 1 mg/Tag.
Andarine (S-4)
Andarine bzw. S4/S-4 gilt als frauenfreundlich, weil das Mittel keine besonders hohe Bindungsaffinität zum Androgenrezeptor hat. Es ist entsprechend auch nur schwach anabol (im Vergleich zu SARMs wie RAD-140 oder LGD-4033). Dafür scheint es aber ausgeprägte fettstoffwechselanregende Eigenschaften zu haben. Zudem ist es dafür bekannt, einen „trockenen“ Look zu erzeugen – offenbar hat es also auch Einfluss auf die Wasserspeicherung im Organismus. Der einzige Haken ist, dass im Zusammenhang mit Andarine gelegentlich von Sehstörungen als Nebenwirkung berichtet wird. Diese äußern sich in einer leichten Gelbstichigkeit der optischen Wahrnehmung (= Gelbfilter-Sonnenbrilleneffekt). Spätestens mit dem Absetzen verschwindet diese Nebenwirkung aber wieder. Sie tritt auch nicht bei jedem Anwender bzw. nicht bei jeder Anwenderin auf.
Risiken: Von den Sichtproblemen abgesehen, ist S4 relativ sicher. Frauen, die oft abends Auto fahren (müssen) oder die in Berufen arbeiten, in denen eine einwandfreie Farbenwahrnehmung wichtig ist, sollten den Einsatz von S4 aber überdenken.
Typische Dosierung für Frauen: Zu Andarine gibt es keine klinisch erprobten Dosierungsvorgaben für Frauen (für Männer übrigens auch nicht). Da die Dosierungsbandbreite bei Männern anekdotisch von 25 mg täglich bis 100 mg täglich reicht, sollten Frauen maximal 12,5 mg täglich nehmen. Laut der Mehrzahl der Andarine-Berichte im Internet beträgt die Halbwertszeit übrigens nur ein paar Stunden. Insofern empfiehlt es sich, die Tagesdosis auf zwei oder drei Gaben aufzuteilen.
Cardarine (GW501516)
Cardarine wird zwar oft als SARM kategorisiert, ist aber eigentlich keins. Es ist stattdessen ein Mittel, das den PPAR-δ-Rezeptor stimuliert. Dieser hat Einfluss darauf, in welchem Maße der Körper eingelagertes Fett zur Energiegewinnung heranzieht. Aus diesem Grund ist Cardarine hervorragend zur Diätunterstützung geeignet: Es bewirkt, dass der Fettabbau schon bei leichter körperlicher Tätigkeit massiv in Gang kommt und verbessert darüber hinaus die Ausdauerleistung. Da es dabei die Androgenrezeptoren in Ruhe lässt, hat es auch keine negativen Auswirkungen auf den Hormonhaushalt. Kein Wunder, dass Cardarine bzw. GW-501516 bei Frauen auf der Liste der beliebtesten SARMs und SARMs-ähnlichen Mittel einen festen Platz hat!
Risiken: In einigen Tierstudien erwies sich Cardarine karzinogen, also krebsfördernd. Die Dosierungen in diesen Studien waren aber auch viel höher als alles, was man Menschen je zumuten würde. Trotzdem wurde deshalb entschieden, die Forschung zu Cardarine vorerst auf Eis zu legen.
Typische Dosierung für Frauen: Mit Frauen wurden bislang keine Studien zur Wirkung von Cardarine durchgeführt, mit Männern hingegen schon. Dabei kamen 2,5 mg/Tag zur Anwendung. Diese Dosis zeigte bereits einen signifikanten Effekt. Im Fitness-Sport wird aber mit höheren Dosierungen gearbeitet; die meisten Athleten nehmen 10–20 mg täglich. Frauen sollten sich vorsichtshalber mit maximal 5 mg täglich begnügen.
Andere SARMs
Alle anderen SARMs, wie RAD-140, LGD-4033, S-23 usw., sind für Frauen entweder mit mehr Nebenwirkungsrisiken verbunden oder derart experimentell (wie etwa ACP-105), dass die Anwendung eher ein Chemie-Selbstversuch als eine Fitnessförderungsmaßnahme wäre. Sie haben in einer Liste der besten SARMs für Frauen daher nichts verloren.
SARMs für Frauen kaufen: Warum das problematisch ist
Wenn man als Frau SARMs kaufen will, stößt man schnell auf ein Problem: Fast alle Präparate sind von der Dosierung her auf männliche Anwender zugeschnitten. Bei Produkten in Kapselform bedeutet das, dass die Dosierungen pro Kapsel sich häufig im zweistelligen Milligramm-Bereich bewegen. Dosierungen unter 5 mg gibt’s praktisch gar nicht. Selbst ein Produkt wie Alpha Bitch von Core Labs X, das ganz klar auf Frauen als Zielgruppe ausgerichtet ist, enthält pro Kapsel bereits 7,5 mg Ostarine.
Was tun? Zwei Lösungen haben sich etabliert:
- Kapseln teilen bzw. öffnen. Das ist allerdings ziemlich umständlich. Außerdem ist in dem Pulver, das sich in den Kapseln befindet, die Wirkstoffverteilung nicht immer homogen.
- Flüssigpräparate mit Pipette kaufen. Bei diesen lässt sich die Menge relativ präzise dosieren. Hersteller wie Lawless Labs haben etliche SARM-Flüssigpräparate im Programm, z. B. Andarine SARM S4 Liquid (50 mg/ml), erhältlich bei GETBOOST3D.com.
Quellen
- ↑ wada-ama.org (2025) Anti-Doping Testing Figures Report (https://www.wada-ama.org/en/resources/anti-doping-stats/anti-doping-testing-figures-report)
- ↑ F. Chen et al. (2002): “Development of selective androgen receptor modulators and their therapeutic applications” (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/12478835/)
- ↑ pharmazeutische-zeitung.de (2023): Gesundheitsbehörde warnt vor SARM (https://www.pharmazeutische-zeitung.de/gesundheitsbehoerde-warnt-vor-sarm-140109/)
- ↑ K. Collomp et al. (2022): “Prevalence of Prohibited Substance Use and Methods by Female Athletes: Evidence of Gender-Related Differences” (https://www.frontiersin.org/journals/sports-and-active-living/articles/10.3389/fspor.2022.839976/full)
- ↑ I. Simitsidellis et al. (2019): “Selective androgen receptor modulators (SARMs) have specific impacts on the mouse uterus” (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6690265/)
- ↑ Wen Guo et al. (2022): “Effect of Selective Androgen Receptor Modulator on Cholesterol Efflux Capacity, Size, and Subspecies of HDL Particles” (https://academic.oup.com/jes/article/6/8/bvac099/6619269)
- ↑ P. LoRusso et al. (2021): “A First-in-Human Phase 1 Study of a Novel Selective Androgen Receptor Modulator (SARM), RAD140, in ER+/HER2- Metastatic Breast Cancer” (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34565686/)
- ↑ E. M. M. Ooi et al. (2011): “Mechanism of Action of a Peroxisome Proliferator-Activated Receptor (PPAR)-δ Agonist on Lipoprotein Metabolism in Dyslipidemic Subjects with Central Obesity” (https://academic.oup.com/jcem/article-abstract/96/10/E1568/2834755?redirectedFrom=fulltext)

