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SERMs einfach erklärt – so funktionieren selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren
SERMs sind vor allem für Bodybuilder interessant, die Anabolika nehmen. Aber nicht nur! Naturalathleten, die befürchten (oder wissen), dass ihr Testosteronspiegel nicht der höchste ist, sollten hier ebenfalls weiterlesen. Denn: Der Anwendungszweck von SERMs beschränkt sich nicht auf die Testosteron-Wiederherstellung nach einem Cycle. Man kann mit SERMs auch einen generell niedrigen Testo-Spiegel anheben.
Nachfolgend erläutern wir, was genau es mit SERMs auf sich hat: Wie funktionieren SERMs? Warum braucht man SERMs nach einer Steroidkur? Und was muss man wissen, wenn man SERMs kaufen will?
Was sind SERMs eigentlich – und was haben sie mit SARMs zu tun?
Dass die Bezeichnung „SERMs“ bis auf einen Buchstaben mit der Abkürzung „SARMs“ identisch ist, ist kein Zufall. Sowohl SERMs als auch SARMs sind hormonell wirksame Pharmazeutika. Der Wirkmechanismus ist praktisch derselbe, aber das „Spielfeld“ ist jeweils ein anderes: Während SARMs sich an die Androgenrezeptoren im Körper binden, binden SERMs sich an die Östrogenrezeptoren [1]. So erklären sich auch die beiden Namen:
- SARMs = Selective Androgen Receptor Modulators
- SERMs = Selective Estrogen Receptor Modulators
SERMs haben dabei die bedeutendere Historie. Die ersten SERMs tauchten schon in den 1960ern auf, also lange vor den SARMs [2]. (SARMs gibt es in der Fitness-Industrie erst seit den 2000ern.) Das erste und bekannteste SERM – Tamoxifen – wurde vom Pharma-Unternehmen Imperial Chemical Industries in Großbritannien entwickelt. Es war ursprünglich als Verhütungsmittel für Frauen gedacht, aber die Entwickler stellten schnell fest, dass es im weiblichen Organismus überhaupt keine verhütende Wirkung hat. Im Gegenteil: SERMs stimulieren mittelbar die Eierstöcke und können den Eisprung auslösen.
Tamoxifen hat für Frauen aber eine andere sehr nützliche Eigenschaft: Das Mittel hemmt das Wachstum von östrogenabhängigem Brustkrebs. Deshalb dient es in der Medizin bis heute zur Behandlung und Prävention von Brustkrebs bei Frauen. In der Fitness-Szene hat Tamoxifen aber eine andere Funktion, wie alle anderen SERMs auch: Hier benutzt man es als medikamentöse PCT – also als Post-Cycle-Therapy nach einer Steroid-Kur.
SERMs-Wirkung: Wie funktionieren SERMs?
Wenn’s um die Funktionsweise von SERMs geht, ist der Name Programm: „SERMs“ steht ja, wie oben schon gesagt, für „selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren“ – entsprechend modulieren sie die Östrogenrezeptoren im Körper (bei Männern und bei Frauen). „Modulieren“ heißt: Sie binden sich an diese Rezeptoren. Was sie dann tun, hängt von der Art des Gewebes ab. In manchen Gewebearten haben sie z. B. eine blockierende Funktion, in anderen nicht. Deswegen nennt man sie „selektive“ Modulatoren.
SERMs beeinflussen also nicht direkt den Östrogenspiegel. Sie legen nur fest, wie stark Östrogen in welchem Gewebe wirken darf [3]. Diese Regulierungsfunktion macht sie so nützlich für Steroid-User, denn dadurch lassen sich östrogenbedingten Nebenwirkungen von Steroiden sehr gut bekämpfen.
SERMs im Bodybuilding: medikamentöses PCT-Protokoll
Für die meisten Bodybuilder beginnt der Einsatz von SERMs dann, wenn der Einsatz von Anabolika endet – Stichwort „PCT-SERMs“. Warum ist das so? Oder anders gefragt: Warum werden SERMs nach dem Ende einer Steroidkur beinahe zwangsläufig ein Thema?
Weil alle androgenen Anabolika, egal ob SARMs, Prohormone oder Steroide, die endogene Testosteronproduktion drosseln. Das liegt am sogenannten „Negative-Feedback-Effekt“: Die Zuführung von testosteronähnlichen Substanzen bewirkt eine starke Stimulierung der Androgenrezeptoren, und das signalisiert dem Gehirn, dass offenbar zu viel Testosteron im Körper kursiert. Als Folge davon stoppt die Hirnanhangsdrüse die Ausschüttung der Hormone LH und FSH, welche die Hoden zur Testosteronproduktion anregen.
SERMs besetzen nun die Östrogenrezeptoren und blockieren diese. Daraufhin „denkt“ das Gehirn, dass der Östrogenspiegel zu niedrig ist. Da der Östrogenspiegel im männlichen Körper als Teil der hormonellen Rückkopplung wie eine Art Indikator für eine angemessene Testosteronproduktion dient, erkennt das Gehirn nun, dass die Testosteronproduktion zu niedrig ist, und hebt die LH-/FSH-Hemmung wieder auf.
Unterschied Clomid vs. Nolvadex
Wenn von „SERMs für Bodybuilder“ die Rede ist, geht es eigentlich immer nur um diese beiden:
- Clomiphene/Enclomiphene
- Tamoxifen
Ersteres, Clomiphene (auch bekannt als „Clomid“, „Clomifen“ und „Clomiphene Citrat“), hat exakt den oben beschriebenen Effekt: Es blockiert die Östrogenrezeptoren in der Hypophyse und regt dadurch die LH-/FSH-Ausschüttung an.
Tamoxifen hingegen (auch als „Tamox“ und als „Nolvadex“ bekannt) besetzt vornehmlich die Östrogenrezeptoren im Brustgewebe. Dadurch verhindert es ein Wachstum der Brustdrüsen, wie man es als unschöne Nebenwirkung (Gynäkomastie) von männlichen Steroid-Usern kennt.
Sowohl Clomid als auch Nolvadex helfen also als SERMs gegen Östrogen-Nebenwirkungen: Clomid fährt die „Achse“ wieder hoch, und Nolvadex hilft gegen „Bitch Tits“. Aber Achtung: Nolvadex muss frühzeitig genommen werden, um einer Gyno entgegenwirken zu können! Am besten nimmt man es schon, wenn die Brustwarzen zu „kribbeln“ anfangen und die Brustregion allgemein empfindlicher wird (wenn also z. B. das T-Shirt beim Training unangenehm reibt). Ist das Brustdrüsengewebe nämlich erst einmal stark angewachsen, nützt Nolvadex a.k.a. Tamoxifen nichts mehr. Dann kann nur noch der Chirurg helfen.
Sind SERMs in der PCT immer nötig?
Ob eine Post-Cycle-Therapy immer den Einsatz von SERMs erfordert, ist eine Frage, die im Bodybuilding kontrovers diskutiert wird. Tatsache ist: Auch SERMs haben Nebenwirkungen. Ob die Nebenwirkungen von SERMs den Einsatz wert sind, hängt davon ab, wie stark die Testosteronproduktion nach einer Anabolika-Kur am Boden liegt.
Hat man länger als nur 6 Wochen gekurt, und hat man starke Mittel genommen – also klassische anabole Steroiden oder potente SARMs wie z. B. Ligandrol oder RAD-140 –, dann kommt man um SERMs in der PCT nicht herum. Zwar würde sich die Testosteronproduktion auch ohne SERMs irgendwann wieder erholen, aber das wäre ein sehr langwieriger Prozess. Manchmal ist selbst nach Ablauf eines vollen Jahres der gonadale Regelkreis noch nicht wieder hergestellt. Und manchmal erholt er sich ohne Medikamente überhaupt nicht mehr.
Hat man hingegen nur sehr kurz gekurt und vielleicht auch nur milde Mittel wie z. B. Ostarine oder Andarine in niedriger Dosierung genommen, dann kann man auf SERMs verzichten. Eine rein supplementbasierte PCT (mit Wirkstoffen wie D-Aspartic Acid, Tongkat Ali, Zink & Co.) reicht dann womöglich aus, um den Hormonhaushalt wieder in Ordnung zu bringen. Ein Restrisiko bleibt aber.
SERMs vs AI: Was ist besser?
Im Kontext mit SERMs fällt meist auch der Begriff „Aromatasehemmer“ (engl. aromatase inhibitors, abgekürzt „AIs“). Beide Mittel haben bei der Bekämpfung von anabolikabedingten Nebenwirkungen ihre Berechtigung, sie dienen aber unterschiedlichen Zwecken.
- SERMs stellen die körpereigene Testosteronproduktion wieder her und bilden insofern das „Rückgrat“ einer jeden PCT (wie oben dargelegt).
- Aromatasehemmer, also Arimistan, Letrozol usw., werden eingesetzt, wenn die in der Kur zugeführten Anabolika übermäßig stark zu Östrogen konvertieren, sodass der Östrogenspiegel sehr stark ansteigt. Dann können nämlich Nebenwirkungen wie extreme Wassereinlagerungen und Blutdruckanstieg auftreten, die mehr als nur lästig sind. Aromatasehemmer unterbinden die Konvertierung zu Östrogen und mildern dadurch die genannten Nebenwirkungen [4]. Sie helfen aber nicht bei der Wiederherstellung der Testosteron-Achse. Aus diesem Grund sind Aromatasehemmer eigentlich nur WÄHREND einer Anabolika-Kur sinnvoll (und nicht danach). Nichtsdestotrotz enthalten sehr viele PCT-Präparate, die man als Supplement kaufen kann, Aromatasehemmer.
Haben SERMs Nebenwirkungen?
So nützlich SERMs in der PCT auch sind – sie haben ihre Schattenseiten.
Clomiphene ist z. B. für folgende Nebenwirkungen bekannt:
- Gemütsschwankungen, „emotionaler Nebel“ (Reizbarkeit, Schwankung zwischen „mir ist alles egal“ und „mir wird alles zu viel“)
- Sehstörungen und optische Irritationen, etwa „Nachzieheffekte“ bei Lichtquellen (was daran liegt, dass Clomid direkt auf die Rezeptoren im Gehirn wirkt)
- Hitzewallungen
- Schwindelgefühl
- Schlafstörungen
Tamoxifen gilt insgesamt als verträglicher. Häufige Nebenwirkungen sind:
- Stimmungsschwankungen
- Sehstörungen (leicht)
- diffuses Druckgefühl im Kopf
- Müdigkeit und Abgeschlagenheit
Diese Nebenwirkungen sind im Verhältnis zu einer monate- oder gar jahrelang geplätteten „Achse“ aber akzeptabel.
SERMs ohne Anabolika: Taugen SERMs als Testosteronbooster?
Wenn SERMs die Testosteronproduktion ankurbeln können, steht natürlich die Frage im Raum, ob sie auch als Testosteronbooster bei Naturalathleten taugen. Die Antwort lautet: Ja.
Physiologisch funktioniert das tatsächlich: Serms wie Clomifen bzw. Enclomiphene blockieren ja die Östrogenrezeptoren im Hypothalamus, was zu einem gesteigerten LH- und FSH-Output führt. Das wiederum signalisiert den Hoden: Produziert mehr Testosteron! Studien belegen, dass Naturalathleten ihre natürliche Testosteronproduktion so um bis zu 150 Prozent anheben können [5]. So viel schaffen nicht einmal die besten natürlichen Testosteronbooster-Supplements (Maca, Bockshornklee, Ashwagandha & Co.).
Keine sinnvolle Alternative zu SARMs und Prohormonen
Heißt das, dass die Verwendung von SERMs ohne Steroidkur eine sinnvolle Alternative zum Einsatz von SARMs oder Prohormonen ist? Eher nicht. Zum einen ist nämlich selbst ein Anstieg des Testosteronspiegels um 150 % nicht unbedingt ein starker anaboler Impuls, sofern man vorher kein Testo-Monster war. (Hatte man ursprünglich z. B. einen Spiegel von 350 ng/dL, dann liegt man anschließend bei knapp über 800 ng/dL. Das ist immer noch nicht spektakulär, denn die natürliche „Range“ reicht von 300–1.000 ng/dL.) Zum anderen bewirkt selbst ein Testosteronspiegel am oberen Ende der natürlichen Range keine großen Muskelzuwächse. Interessant wird’s erst dann, wenn der Testosteronspiegel drei-, vier oder fünfmal so hoch ist wie normal. Das ist aber mit SERMs allein nicht zu schaffen.
Trotzdem: Männer, die einen zwar normalen, aber niedrigen Testosteronspiegel haben, können diesen mit SERMs signifikant anheben. Das bewirkt keine großartigen Muskelzuwächse; es steigert aber ihre Lebensqualität.
SERMs Anwendung und Dosierung
Wie sollte man SERMs nun dosieren? Dazu gibt es in der Fitness-Szene ganz klare Empfehlungen. (Wohlgemerkt: in der Fitness-Szene! Die Empfehlungen stammen NICHT von Endokrinologen oder überhaupt von Ärzten.)
Typisches PCT-Protokoll (= Anwendung nach einer Anabolika-Kur) HINWEIS: Das Protokoll startet jeweils dann, wenn das zuletzt genommene Anabolikum nicht mehr im Körper aktiv ist – also nicht unmittelbar am ersten Tag nach der letzten Spritze oder Kapsel.
- Woche 1
- Woche 2–4
- Woche 1–2
- Woche 3–4
Testo-Booster-Protokoll
HINWEIS: Für ein Testo-Booster-Protokoll werden eigentlich – wenn überhaupt – nur Clomifen und Enclomiphene eingesetzt. Tamoxifen spielt kein Rolle, weil die HPTA-Stimulation weniger „scharf“ ist.
Sind SERMs legal – und wo kann man SERMs kaufen?
Im Unterschied zu SARMs, die überhaupt nicht für die Anwendung am Menschen zugelassen sind, sind SERMs reguläre Arzneistoffe. Sie sind allerdings rezeptpflichtig. Heißt: SERMs sind legal, sofern man sie über eine Apotheke unter Vorlage eines ärztlichen Rezepts erwirbt. OTC-Supplements, die dieselben Wirkstoffe enthalten, gibt es nicht – mit Ausnahme von Enclomifen. Tatsächlich ist Enclomifen bisher das einzige SERM, das man außerhalb von Apotheken und von Underground-Steroid-Shops im Internet kaufen kann. (Mehr Infos über Enclomifen gibt’s hier: Enclomiphene.) Athleten, die an dopinggetesteten Wettkämpfen teilnehmen, müssen sich im Übrigen darüber klar sein, dass SERMs auf der WADA-Liste verbotener Substanzen stehen. Sie gelten folglich als Dopingmittel. Das bedeutet für Naturalathleten, die diese Mittel als Testo-Booster nutzen möchten: Der Natural-Status ist nach der Anwendung Geschichte! Wenn man über einen gesunden Hormonhaushalt verfügt, sollte man sich als Naturalathlet also gründlich überlegen, ob man SERMs nehmen will (oder lieber gleich zu SARMs oder Prohormonen greift).
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More Fizi
Quellen
- ↑ en.wikipedia.org (2025): Selective estrogen receptor modulator (https://en.wikipedia.org/wiki/Selective_estrogen_receptor_modulator)
- ↑ P. Y. Maximov (2013): “The Discovery and Development of Selective Estrogen Receptor Modulators (SERMs) for Clinical Practice” (https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3624793/)
- ↑ B. L Riggs (2003): “Selective Estrogen-Receptor Modulators — Mechanisms of Action and Application to Clinical Practice” (https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMra022219)
- ↑ flexikon.doccheck.com (2025): Aromatasehemmer (https://flexikon.doccheck.com/de/Aromatasehemmer)
- ↑ J. D. Miller (2019): “Hypothalamic-Pituitary-Testicular Axis Effects and Urinary Detection Following Clomiphene Administration in Males” (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30295816/)

